„Die Behandlung des Leibes ist nicht möglich ohne die Behandlung der Seele“

Hans-Georg Gadamer
Vor einem Umzug ins Pflegeheim haben viele ältere Menschen Angst, die Unsicherheit, wie die letzte Lebensphase verbracht werden kann, bereitet ihnen oftmals Sorge. Hinzu kommen körperliche und psychische Einschränkungen, die auch Autonomie und selbständige Entscheidungen immer mehr beschneiden können. Nicht selten kommt dann der Gedanke daran, dieses Leben mit Einschränkungen nicht mehr weiterleben zu wollen. Ein immer noch tabuisiertes Thema, bei dem Menschen sich häufig sehr alleingelassen fühlen. Niemandem zur Last fallen wollen, lässt sie auch über assistierten Suizid nachdenken. Ein Gegenüber, das mit ihnen darüber und über ihre Ängste bezüglich der Zukunft sprechen würde, ist meist nicht vorhanden.
Um Sprachlosigkeit zu überwinden, sich mit der Lebenswelt von älteren Menschen in Pflegeheimen auseinanderzusetzen, luden die beiden Vorsitzenden der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) Suizidprävention Sonja Liebig (Fachstelle Suizidberatung) und Sabine Seipp (Halma e.V.) Dr. Michael Schwab (Stiftung Bürgerspital zum HL Geist) zum Vortrag in die Sitzung am 21.4.26 ein, um sich mit ihm gemeinsam dem Thema „Depression und Suizidalität im Pflegeheim“ anzunähern.
Teilnehmende kamen aus unterschiedlichen Bereichen der psychosozialen Versorgung, Polizei, Gesundheitsamt und anderen Einrichtungen.
Mit seiner langjährigen Erfahrung im Bereich der Geriatrie und viel Humor gelang es Dr. Schwab zu informieren, zu sensibilisieren und zum Nachdenken anzuregen.
Wir tragen weiter, was in Gesprächen mit alten Menschen Sinn geben kann, dabei ist Zuhören ein ganz wichtiger Faktor. Zu begreifen, dass laut Dr. Schwab die Philosophie des Alterns auf einem vertikalen statt horizontalen Zeitverständnis beruht, das Leben also nicht abläuft, sondern sich aufbaut und Altern somit ein Gewinn für unsere Gesellschaft ist, müssen wir nicht nur besprechen, sondern ältere Menschen auch spüren lassen und in unserer Haltung in Gesprächen ausdrücken. Dabei müssen wir uns und unsere eigene Vorstellung vom alt werden und alt sein auch selbst kritisch hinterfragen.
„Das Leben ist kein Ablauf von Lebensjahren, die vorbeizeihen, sondern erfolgt in wachsenden Ringen, die alles Gelebte umfassen und formbar bleiben“, frei nach Rilke und Anne Fischer-Buck. Wollen wir Menschen Alternativen zu einem (assistierten) Suizid aufzeigen, dann müssen wir sie spüren lassen, dass ihre Erfahrungen wichtig für unsere Gesellschaft sind, dass sie in jedem Alter wichtig sind! Und wir müssen bereit sein, weiter daran zu arbeiten, Rahmenbedingungen zu schaffen, in dem ein Miteinander von Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen möglich ist („Wir behandeln keine Krankheiten, sondern Menschen“!)
Sonja Liebig
Vorsitzende der PSAG Suizidprävention und Leiterin der Fachstelle Suizidberatung-Unterstützung in kritischen Lebenssituationen in Würzburg
Fotos: Amelie Bareis, Praktikantin FS Suizidberatung


